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Review: Intro - finn. the nays will have it! · 27/03/2007

Sollte man vielleicht gar Mitleid haben mit dem armen Patrick Zimmer? Der Hamburger Singer/Songwriter mit der Glöckchenstimme bzw. seine Comic- und Musikpersönlichkeit Finn. verwandelt sich auf dem Cover von “The Nays Will Have It” in einen müden Graf Dracula. Vermutlich, weil er so lange durch die Nacht ziehen muss mit den gleich 18 Remixen bzw. Neuinterpretationen von mehr oder weniger unbekannten Bands und Producern, gerne aus Hamburg, aber auch von sonst woher. Dass hier jemand so richtig einen draufmacht wie Exzessraver Plemo (siehe Albumkritik nebenan) mit einem auf Electroclash frisierten “Electrify”, ist die große Ausnahme. Es wird wenig getanzt in dieser langen Nacht, vielmehr gemeinsam geseufzt und geweint. Eine Herzzerreiß-Hymne fließt in die nächste, mal prächtig orchestral arrangiert, mal ganz leise. So wie Finn.s Stimme sind auch die meisten Interpretationen: elegisch und durchscheinend, manchmal bis an die Grenze zum Verschwinden. Diese versammelten Nachtschattengewächse sind so blass und blutarm anzusehen, weil sie ihr Herz einmal zu oft ausgeschüttet haben. Ganz am Ende gibt Stephan Eicher noch ein Ständchen. “I’m on the wrong side”, heult und krächzt er wie eine Mischung aus Johnny Cash und Tom Waits, und sobald der Schlussakkord verklungen ist, bettelt er nach einer nächsten Zigarette. Denn nette Vampire rauchen viel.

from: intro.de , March 2007